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Brauch man einen Krieg im Nacken, oder einen Overall aus Glanzpapier? Eine sinnschändende Eingebung, oder muss man vielleicht nur seine Wut mit einer Schere an einem Fremdwörterbuch ausleben?

Thilo Bock reads Hugo Ball

Thilo Bock reads Hugo Ball

Die Neugier im kleinen Kreis der Zuschauer in der Buchhandlung “Books” an diesem Abend war jedenfalls geweckt. Der kleine Bücherpavillon, der einem schon von Weitem aus dem Schatten der Volksbühne entgegenstrahlt, war hell erleuchtet und füllte sich rasch mit Interessierten und Kollaborateuren der Gegenbewegung. Als man endlich, auf allem was sich dem Sitzfleisch darbot, versammelt hatte, warf sich Thilo Bock gekonnt in den Spagat zwischen Information und Schaustellung, der 1916 in Zürich gegrüdeten Kunstbewegung Dada und ihrer Akteure.

Pünktlich zum Vorabend ihres 100 Jährigen Jubiläums, gab der ehemalige TU-Student am vergangenen Donnerstag (03.03.) einen Einblick in die Entstehungsgeschichte, einer der wohl berühmt/berüchtigsten Gegenkulturen, sowie ihrer Geburt im Cabaret Voltaire – einer kleinen Kneipe in der Züricher Spiegelgasse. (Wer hats erfunden?)
Von hier aus verbreitete sich Dada mit fast epidemischer Geschwindigkeit über den Globus.

Diejenigen von euch, die noch keinen Schimmer von Dada haben, finden hier ein Lautgedicht von Hugo Ball, als kleine Einführung:
Hugo Ball – Totenklage

Gleichzeitig war die Veranstaltung auch eine Buchvorstellung für Bocks kürzlich erschienene Künstlerbiographie des jungen Hugo Ball. Unter dem Namen “Eine lebendige Zeitschrift gewissermaßen” schildert er den Werdegang des radikalen Avantgardisten, nicht ohne an diesem Abend die schönsten Fußnoten seines Werks mit dem Publikum zu teilen.

Es folgte eine nicht humorfreie Beleuchtung der seltsamen Vorgänge im Cabaret Voltaire, welches nebenbei warscheinlich nicht viel größer war, als der kleine Buchladen in dem wir saßen. Schließlich trug Bock auch einige von Hugo Balls Dada-Gedichten vor, die von träumerischer Bildmalerei, über Lautgedichte, bis zu abstrakter Silbenmetzelei reichten und die in einem Laien, mit etwas Glück, jede Besorgnis geweckt hätten, dass hier etwas nicht stimmte.

dada

Während des Vortrags wurden wir vom Books-Team großzügig mit Bier und Sekt für 1-2 Euro versorgt, die Gunst und das Wohlwollen hierüber, sah das geschulte  Auge am ‘violettgelben Zickzackgetöse geilsüchtiger Linien’, die durch die dicke Luft über den Köpfen der Gäste zuckten. Als Veranstalter für das Event fungierte  die ‘Helle Panke e.V. Rosa Luxemburg Stiftung Berlin’, den Link zu ihrer Seite findet ihr hier:
http://www.helle-panke.de/

Was man nun letztendlich bräuchte um Dadaist zu werden, ließ Thilo Bock dann jedoch nur erahnen, die Zeiten hätten sich geändert und somit auch die Mittel und Wege, mit denen man einen vergleichbaren Effekt erzielen könne, wie ihrerzeit Hugo Ball, emmy Hennings, Marcel Janco, Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck und Hans Arp mit Dada.

 

Wer sich zudem fragt was Lenin im Dunstkreis des Cabaret Voltaire zu suchen hatte, oder wer sich mit Herrn Bock näher über sein Steckenpferd Dada unterhalten möchte, hat die Möglichkeit an seinem kommenden Vortrag am 22. März im ‘Laidak’ (in der Boddinstraße). Den Link zu der Veranstaltung, sowie zu seiner privaten Webseite (und dem ‘Bockblog’) findet ihr hier:

Bocks nächste Veranstaltung am 22. März:
https://www.facebook.com/events/989188141175669/

Thilo Bocks Website:
http://thilo-bock.de/

Direkter Link zum ‘Bockblog’:
http://thilo-bock.de/category/alles/

Weitere Veranstaltungen mit Thilo Bock:
http://thilo-bock.de/portfolio/termine/

Der Books-Buchladen:
https://www.volksbuehne-berlin.de/konsum/books/

Für alle von euch, die sich für Dada interessieren, gibt es noch bis Anfang November eine Ausstellung in der Berlinischen Galerie. Unter dem Namen “Dada Afrika – Dialog mit dem Fremden”, werden rund 120 Kunstwerke aus nationalen und Internationalen Sammlungen ausgestellt.

Den Link zur Ausstellung findet ihr hier:
http://www.berlinischegalerie.de/ausstellungen-berlin/vorschau/dada-afrika/

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About Author

Kevin Arbinger

Kevin writes about art, music, cultural and subcultural events, bizarre personalities, and the shady cult activities happening in the basement of your apartment building. His first Berlin moment saw him climbing aboard a not-in-service train, an adventure that ended in a siding tunnel somewhere under West-Berlin.

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